Arbeitsstelle des Nationalen Denkmalinstituts
Selbstverständlich gehörte zum repräsentativen Frainer Sitz ein Park. Die Landschaftsgestaltung verlief sich weiter in das umliegende bewaldete und recht hügelige Gelände, wo ein außerordentlich reicher, bezüglich des Naturbestands wertvoller Komplex mit einem System von Wegen, Schneisen und Durchsichten, Aussichtspunkten, Ruheplätzen mit Steinbänken, kleinen Seen mit künstlichen Wasserfällen, Gehegen für Waldtiere sowie mit verschiedenen Bauten wie Miniaturen antiker Tempel, Kapellen, Kreuzen und Familiendenkmälern entstand.
Der Waldpark wurde ab der Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt, als der Sohn von Maria Anna Pignatelli, General Michael Anton Althann, ein leidenschaftlicher Jäger, die hiesige Landschaft um das Lusthaus in Čížov, das Zentrum des späteren Ebergeheges, bereicherte. Die entscheidenden Grundlagen für die großzügigen Landschaftsgestaltungen legte in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts sein Neffe und der letzte Frainer Althann Michael Josef. Er baute das Lustschlösschen im Waldgrund Braitava, den englischen Park auf dem Rosenhügel (Růžový vrch) gegenüber dem Schloss mit seinen Pavillons, Tempeln und Höhlen, zudem die Steinbrücke im heutigen Tal Junácký údolí, er gestaltete die beiden Terrassen am Ahnensaal als Gärten, er errichtete das Haus der Philosophen und die Wirtschaftsgebäude gegenüber dem Schloss - zu dieser Zeit waren sie wohl noch aus Holz. Er begann gleichfalls mit der ausführlichen Vermessung und der planmäßigen Kultivierung der Wälder. Seine landschaftsgestaltenden Vorhaben waren tatsächlich von Beginn an großzügig, sie gaben den entscheidenden Anstoß zur Weiterführung durch seinen Nachfolger.
In seine Fußstapfen trat Ritter Josef Hilgartner von Lilienborn, dessen Vorstellungen von den umfangreichen und vorwiegend umgesetzten Gestaltungen der Waldparks zuverlässig die fünf von ihm bestellten Pläne mit der idealen Anordnung aus den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts wiedergeben. Die Pläne zeigen, dass die älteren Landschaftsgestaltungen (Alleen, Salettel, Wasserfälle, Teiche, unregelmäßig sich windende und dem Gelände folgende Wege) in die neue Konzeption aufgenommen wurden. Ein offensichtlich neues Element waren aber die geometrisch genauen, sternförmig verlaufenden Wege, deren Sammelpunkt von einer Dominante, einem Ziel, betont wurde, zu dem die Schritte des Wanderers, gegebenenfalls des Jägers führen, der sich in der Landschaft aufhält. Die Pläne als Ganzes deuten die verschiedenen und zu ihrer Zeit üblichen Aufgaben der kultivierten Landschaft an, die zum einen als Ort der Erholung, zum anderen als Gegenstand der ästhetischen Wahrnehmung verstanden wurde. Sie repräsentierte jedoch auch als Element mit starker imaginativer Ladung die Summe der symbolischen Elemente mit philosophisch moralischen oder vermutlich auch hermetischen oder sogar politischen Interpretationen. Konkret Hilgartners Anteil an den Landschaftsgestaltungen und Bauten, die in den zeitgenössischen Berichten direkt erwähnt werden, war enorm. Er gründete das Ebergehege bei Čížov, das Gehege für Hochwild bei Vracovice, die Fasanerie bei Šumná, er baute zum Teil die Wirtschaftsgebäude aus Holz vor dem Schloss in Pferdeställe und ein Kutschenhaus um, er gründete die zwei neuen Dörfer Lesná und Šumná, und er beendete den englischen Park auf dem Rosenhügel - sein Werk ist unter anderem der Dianatempel, der später unter Helena von Mniszek als Marienkapelle geweiht wurde.
Der folgende Besitzer - Graf Stanislaw von Mniszek - führte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur einige kleinere Veränderungen durch, darunter beispielsweise den Umbau der Pferdeställe und des Kutschenhauses im Empirestil. Seine Nachkommen fügten in die Landschaft einige kleine Bauten im Geiste des ausklingenden Romantismus ein - verschiedene Aussichtsplätze, Gedenkobelisken und kleine Sakralbauten.
Spätestens ab dem Ende der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts litt der Waldpark unter der chronischen Ungepflegtheit und der verlorengegangenen Schaffenskraft, sein Anmut verschwand und als Komplex hörte er auf zu bestehen. Am Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts war sein Zustand bereits bedrohlich - die Durchsichten, Schneisen und Wegachsen waren fast verschwunden, die Bauten verfielen, die Artenkomposition der Holzgewächse wurde zunehmend von den Anfluggehölzen verdrängt, die Vorhaben der Nutzwirtschaft nahmen keine Rücksicht auf die ursprüngliche Konzeption.
Seit der Gründung des Nationalparks Podyjí im Jahr 1992 begann sich die Situation allmählich zu ändern. Vornehmlich auf Verdienst dieser Institution, aber auch des Unternehmens Lesy ČR und der Gemeinde Vranov (Frain), kam es zur teilweisen Rehabilitierung einiger Funktionen des historischen Waldparks. Das halbverfallene Lustschlösschen im Waldgrund Braitava, das Lusthaus bei Čížov, die Kapelle der Jungfrau Maria der Beschützerin, das Jägerhaus in Braitava, die Felicie-Quelle, die sogenannte Halamaschek-Aussicht unter dem Schloss und das kleine Salettel vor dem Eingang in den einstigen Herrschaftshof wurden erneuert. Eine radikale Veränderung erfuhr der Weg durch den Wald vom Parkplatz zum Schloss, es wurden Wanderpfade zum Rosenhügel (Růžový vrch), Kreuzhügel (Křížový vrch), in das Felicie-Tal (Felicitiny údolí) und zu anbindenden entfernteren Zielen in der Natur angelegt (siehe Ausflugtipps).
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